87/2008 / Holzbulletin
Kleine Volumen
Ökihof, Jugendtreff und Gemeinschaftszentrum, Cham
Auf dem ehemaligen Gelände eines Rindermaststalles entstanden unter einem Dach ein neuer Werkhof und ein Jugendtreff. Zum Ökihof in Cham bringt die Bevölkerung der Region ihre Reststoffe zum Recycling. Die zwölf Meter hohen ehemaligen Futtersilos und das frühere Güllensilo dienen als Lagerplätze für das Recyclinggut sowie teilweise als Probe- und Cliquenräume für den Jugendtreff. Als neues verbindendes Element überspannt ein grosses Dach die Anlage. Darunter sind die einzelnen Betriebsteile angeordnet: Ein Pavillon für den Jugendtreff, ein Büropavillon für den Ökihof und jeweils der Nutzung entsprechende Aussenräume.
Eine bestehende Anlage beim Werkhof Cham genügte aufgrund von unbefriedigenden Platzverhältnissen, einer begrenzten Anzahl
der Sammelgut-Arten und von Überschneidungen der Verkehrsabläufe nicht mehr den Anforderungen. Fast gleichzeitig verabschiedete der Gemeinderat im Herbst 2002 ein Strategiepapier zur Jugendpolitik, das als Teilziel die Verbesserung der Raumsituation für Jugendliche beinhaltete. Schliesslich beschloss der Gemeinderat im Mai 2003, die beiden Projekte Ökihof und Jugendtreff gemeinsam weiterzuverfolgen. Auf dieser Grundlage wurde zu einem Wettbewerb eingeladen. Die Wahl des neuen Standortes fiel wegen der guten Erschliessung und der ausreichenden Platzverhältnisse auf das Grundstück eines ehemaligen Rindermaststalles. Die Anlage war sehr grosszügig konzipiert und funktionell klar aufgebaut. Den Rücken gegen den Wald bildeten hohe Betonsilos. Darauf folgte ein Verteilungsgang mit anschliessendem Freigehege. Der Stall schloss die ganze Anlage zur Strasse hin ab. In der Mitte der Anlage stand das grosse Silo für die Gülle. Der symmetrische Aufbau und die klaren, einfachen Volumen gaben der Anlage einen sehr starken Ausdruck und erinnerten an eine klassische Industrieanlage.
Ziel des Projektes zur Umnutzung vom Rindermaststall zum Ökihof und Jugendtreff war es, den expressiven Charakter und klaren
Aufbau der Anlage zu erhalten sowie die massiven Gebäudeteile ohne grosse Änderungen zu übernehmen.
Die gesamte Anlage wird neu von einem grossen Dach überspannt, das primär aus in den Betonfundamenten eingespannten Stahlrahmen besteht. Darüber sind Pfetten in Stahl und eine Profilblecheindeckung aufgebracht. Die Nutzung unter diesem Dach ist in die zwei Bereiche Ökihof und Jugendtreff gegliedert.
Für den Ökihof werden fünf der ehemaligen Futtersilos als Sammelfläche für Kleingüter genutzt. Das frühere Güllensilo beinhaltet eine Werkstatt mit Lager und im Untergeschoss eine zentrale Heizungsanlage. Neu erstellt wurde ein kleiner Pavillon mit rund 38m2 Nutzfläche für Büro, Aufenthaltsraum, WC und Dusche. Die Aussenfläche wird zudem mit rund 400 m2 für das Abstellen von Grossmulden und für Personalparkplätze genutzt. Dem Jugendtreff stehen in drei der ehemaligen Futtersilos zwei Cliquenräume, ein Proberaum, eine Werkstatt und ein Materialraum von je 21 m2 zur Verfügung. Ergänzt wird dieses Angebot mit einem ebenfalls neu erstellen, rund 150m2 Nutzfläche umfassenden Pavillon mit grossem Veranstaltungsraum, Küche, Büro mit Besprechungszimmer und verschiedenen WC-Anlagen. Zusätzlich stehen lOOm2 Aussenraum, Personalparkplätze und 50 Fahrradabstellplätze zur Verfügung. Die alten Betonsilos wurden über 25x5,Om grosse Ausschnitte in den Wänden zugänglich gemacht. Zwischenböden aus mit Dreischichtplatten bekleideten Betonsegmenten sowie offene Treppen in Holz erlauben deren Nutzung über die Höhe. Die als Jugendräume genutzten Silobereiche erhielten eine Innendämmung von 160 mm und eine innere Bekleidung aus roh belassenen Dreischichtplatten. Das Mittelsilo erhielt zusätzlich eine aufgeständerte Überdachung: Einfache, radial angeordnete Rahmen aus Ständer und Sparren liegen auf dem alten Betonsilo und einer mittig angeordneten Stahlstütze auf. Als Eindeckung wurden Dreischichtplatten montiert, welche mit abgeklebten und bekiesten Bitumenbahnen abgedichtet sind. Eine offene, horizontale Schalung aus Lärche schliesst die Fassade optisch ab.
Vorgefertigte Holzrahmenbauelemente für die Wände sowie Kastenelemente für die Dächer und Böden bilden die zwei neuen Pavillons. Als Dachhaut wurden ebenfalls abgeklebte und bekieste Bitumenbahnen aufgebracht. Die Fassaden sind mit einer vertikalen Schalung in Lärche bekleidet. Die grosszügigen Fenster lassen sich mittels Klappläden aus Dreischichtplatten in Lärche verschliessen. Für den Innenausbau kamen teilweise Akustikdecken zur Anwendung. Alle Wände sind mit verspachtelten und gestrichenen Gipsfaserplatten bekleidet. Als Bodenbelag kam ein hydrophobierter Zementüberzug als Fertigbelag zum Einsatz.