Donnerstag, 18. September 2008 / Schweizer Holzbau online
Holz verbindet Formales mit unterschiedlichen Nutzungsansprüchen
Kurze Genehmigungs-, Planungs- und Realisierungsabläufe begleiteten die Realisierung des Kombi-Projekts «Bocciodromo/SAC Clubhaus» am Stadtrand von Zug: Im Mai 2006 genehmigte der Grosse Gemeinderat von Zug den Baukredit, danach Beginn der Projektierungsarbeiten, Spatenstich im September 2007, der Montagebeginn des Holzbaus erfolgte Ende November 2007 sowie die offizielle Eröffnung des Neubaus im April 2008.
Den unterschiedlichen Nutzungs- und Raumansprüchen von zwei mitgliederstarken Clubs unter dem Dach einer neuen gemeinsamen Sport- und Freizeitanlage gerecht zu werden, war die Herausforderung des Projekts. Hinzu kam der Wunsch der Stadt Zug als Bauherrin, das Neubauprojekt mit Holz zu materialisieren und den Gebäudekörper mit Farbe zu akzentuieren.
Farben und das Formale
Das markante, gegen Westen hin weitausladende Vordach mit der roten Hauptfassade und den Schriftzügen vereint und schützt. Die rote Farbe wird in die gemeinsame Eingangshalle hineingezogen. Hier sind die beiden separaten Zugänge zum Bocciodromo und zum Clubhaus SAC Rossberg sowie die Nebenräume klar auffindbar. Die strenge Nordfassade der Bocciahalle orientiert sich am Längsbau des bestehenden Nachbargebäudes. Die langen Fensterbänder laden die Spaziergänger ein, einen Blick in die Bocciahalle mit den dort Aktiven zu werfen. In reichlichem Masse wurden die Fassadenbereiche mit einer horizontalen Schalung in Fichte/Tanne gestaltet, wobei eine Vorbewitterung mittels Anstrich vorgenommen wurde. Die Holzfenster wurden grau gestrichen; die Hauptfassade tritt mit rot gestrichenen Mehrschichtplatten in Erscheinung. Im Inneren wurden die Decken silbern gestrichen, wobei der oberflächliche Holzcharakter der verwendeten Deckenelemente erhalten blieb. Auch die vom Holzbauer vorfabrizierten Akustikelemente bekamen einen silbernen Anstrich.
Die Atmosphäre der Bocciahalle entwickelt sich aus dem Zusammenspiel der Tragkonstruktion (in Fichte/Tanne) mit den Wandelementen und den hölzernen Abschrankungen der vier Spielbahnen, welche mit einem speziellen Bodenbelag versehen sind. Die Zuschauer können vom Clublokal aus oder vom zentral angelegten Zugangsbereich am Spielgeschehen teilhaben. Die Halle ist über die beiden mit Fensterbändern bestückten Längsfassaden sowie über mittig angeordnete Oblichter optimal mit Tageslicht versorgt.
Das Raumprogramm des SAC-Clubhauses setzt sich aus einem grossen, multifunktional benützbaren Saal mit Bar und Teeküche sowie aus einer Clubbibliothek, einem Sitzungszimmer und Lagerräumen zusammen. Alles in allem hat sich bei der Realisierung des SAC-Boccia-Kombiprojektes gezeigt, dass Holz die richtige Werkstoffwahl für diese Bauaufgabe gewesen ist.
Alle Hauptbereiche unter einem Dach
Zu den vorstehend charakterisierten Hauptbereichen (Boccia-Halle, Boccia-Clublokal, Zuschauerkorridor, SAC-Clubhaus) sollen nachfolgend die holzbaulichen Spezifikationen beschrieben werden. Einleitend sei angemerkt, dass der eingeschossige Holzbau auf einer Fundamentplatte, die mit 72 Eisenpfählen im Untergrund verankert ist, errichtet wurde.
- Die mit den Abmessungen 26,70 m x 19,20 m grösste Raumeinheit ist die Boccia-Halle mit ihren vier Spielbahnen. Das Haupttragwerk bilden BSH-Träger (Q/S: 200 mm x 700 mm; GL24h), welche im Abstand von 3,80 m als Dreifeldträger über die ganze Hallenbreite (19,20 m) gespannt sind. Das Nebentragwerk, bestehend aus 27 mm dicken Dreischichtplatten (kurz: DSP) als Rippenplatten und Rippen (Q/S: 60 mm x 200 mm; C24), ist zwischen die Hauptträger gehängt.
- Über dem 9,75 m x 22,50 m grossen Boccia-Clublokal ist eine Tragkonstruktion angeordnet, die aus Hohlkastenelementen (DSP, 27 mm - Rippen-Q/S: 60 mm x 280 mm - DSP 27 mm) besteht, welche über 6,80 m frei gespannt sind und 2,60 m als Vordach auskragen.
- Im SAC-Clubhaus stehen den Sektionsmitgliedern ein Saal, das Office, ein Lager sowie WC-Anlagen zur Verfügung. Die über einem Grundriss von 17,95 m x 15,45 errichtete Tragkonstruktion besteht aus Hohlkastenelementen mit DSP-Beplankungen (je 27 mm). Bei rund zwei Dritteln davon beträgt die freie Spannweite 11,00 m, was einen Rippen-Querschnitt von 80 mm x 500 mm erforderte. Beim verbleibenden Drittel sind die Hohlkastenelemente (Rippen-Q/S: 60 mm x 280 mm) über 6,80 m frei gespannt, wobei zusätzlich 2,60 m als Vordach auskragen.
Sie werden’s zufrieden sein, die Mitglieder von drei Zuger Boccia-Clubs wie auch die Berg- und Wanderfreunde der Sektion Rossberg des Schweizer Alpen-Clubs (SAC), dass ihnen mit dem Neubau im Zuger Herti-Quartier Spielmöglichkeiten und Räumlichkeiten zur Verfügung stehen, die zeitgemässen Komfort bieten und – dank ihrer Materialisierung mit Holz - sympathische Zweckmässigkeit dokumentieren.