Donnerstag, 13. August 2009 / Zürichsee-Zeitung Bezirk Horgen
Brücke schwebte durch die Nacht
Eine 80 Meter lange, aus heimischem Holz gefertigte Fussgängerbrücke verbindet in Zukunft die beiden Teile des Wildnisparks Langenberg. In der Nacht auf Mittwoch ist sie eingebaut worden.
Gefeiert wird am 20. September gleich dreifach. Tiere im Langenberg gibt es seit 140 Jahren. Und: Was bei der Gründung «Wildgarten» genannt wurde, ist jetzt eine Stiftung, heisst Wildnispark und ist organisatorisch mit dem Areal im Sihlwald verbunden. Dritter Grund zum Feiern ist natürlich die Brücke selbst. Sie wurde in der Nacht auf Mittwoch eingebaut und kann ab 20. September benützt werden.
Brücke macht Park attraktiver
78 Meter lang überspannt die neue Fussgängerbrücke die Albisstrasse. Der mittlere strebenfreie Teil der Überführung auf Höhe des Ökonomiegebäudes misst knapp 44 Meter. Um 21 Uhr wurde die Strasse gesperrt, damit die zwei riesigen Pneukrane den Hauptteil direkt vom Tieflader auf die vorbereiteten Fundamente setzen konnten. Nach und nach wurden die weiteren, schon zuvor abgeladenen Teile in den Nachthimmel gehievt und punktgenau montiert.
Trotz der riesigen Werkteile gings fast geräuschlos vor sich. Kein Rufen, nur kurz leise, quäkende Befehle aus dem Funk, kein Teil, das unerwartet knarrte oder barst. Schon bald war klar: Montiert wird mit Vorsprung, um fünf Uhr am Mittwochmorgen konnte die Strasse wieder für den Verkehr freigegeben werden. Andreas Reifler, Betriebsleiter des Wildnisparks, konnte die Montagezeit geniessen: «Für uns ist die Brücke ein weiterer Schritt, den Park noch attraktiver zu machen.» 10 Millionen Franken sind als Investitionen für die nächsten vier Jahre geplant, die Gesamtkosten für Brücke und Infrastruktur machen gut einen Zehntel aus. 7 Millionen Franken stehen durch Beiträge der Stadt und des Lotteriefonds bereit, die restlichen 3 Millionen Franken müssen durch Spender und Sponsoren abgedeckt werden.
Der erste «Zoo»
Der Langenberg war seit Jahrhunderten in städtischem Besitz. Erste Flächen wurden 1506 erworben. 1835 trat Karl Ludwig Anton von Orelli seine Stelle als Forstmeister im Sihlwald an, notabene als Erster mit akademischer Ausbildung. Er krempelte nicht nur das Forstwesen stark um. Zur Freude seiner Vorgesetzten und mit grösstem Einsatz an Arbeit und privaten finanziellen Mitteln schuf er 1869 den «Wildgarten».
Es war die erste zooartige Einrichtung in der ganzen Schweiz. Basel folgte erst im Jahr 1874, der Zürcher Zoo musste noch bis 1929 warten. Damals betraten die Besucherinnen und Besucher den Park noch von der Westseite her - dort, wo jetzt die neue Brücke steht. Bald hiess der von Bäumen eingerahmte Weg Von-Orelli-Allee. Erst während der Amtsperioden des verantwortlichen Zürcher Stadtrats Erwin Stirnemann (1935 bis 1946) wurde der heutige Zugang von der Dorfseite her geschaffen.
Werner Zuber